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KI und Berufseinsteiger: bisher kein klarer Jobkiller-Effekt

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Kurz gesagt

Für Berufseinsteiger in Deutschland ist KI laut einer IAB-Auswertung bisher kein klarer Jobkiller. Die Vollzeitbeschäftigung der 20- bis 29-Jährigen sank von 2022 bis 2025 um rund 3 %. In stark KI-exponierten Berufen war das Minus 1,2 Prozentpunkte größer, statistisch aber nicht signifikant. Deutlich stärker hängt der Rückgang mit der schwachen Konjunktur zusammen.

Blick von unten in ein ovales Treppenhaus mit gewundenem Geländer, warm beleuchtet, oben ein kleines Dachfenster
Foto: Ludo-Photos / Pixabay
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Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 wird viel darüber gesprochen, ob Künstliche Intelligenz vor allem jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben verbaut. Die Sorge: Gerade typische Einsteigeraufgaben ließen sich gut automatisieren. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat das am 13. Oktober 2026 mit Beschäftigungsdaten für Deutschland untersucht.

Das Ergebnis lautet „Entwarnung mit Vorbehalt“. Hier liest du, was die Daten zeigen, was sie nicht zeigen und was das für dein Geld beim Berufseinstieg bedeutet.

Welche Daten das IAB ausgewertet hat

Grundlage sind monatliche Beschäftigungsdaten der Bundesagentur für Arbeit von Januar 2021 bis Dezember 2025. Erfasst sind im Schnitt rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte zwischen 20 und 64 Jahren. Nicht enthalten sind unter anderem Beamtinnen und Beamte, Selbstständige, Minijobber, Auszubildende und Menschen ohne Job. Die Altersgruppe von 20 bis 29 Jahren dient als Näherung für die frühe Berufsphase.

Zur Einordnung: Insgesamt zählte die Bundesagentur zum Stichtag 31. Dezember 2025 knapp 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, davon rund 24 Millionen in Vollzeit.

Wie stark ein Beruf KI-exponiert ist, misst das IAB mit einem Maß aus der Forschung (Eloundou und andere, 2024): Es gibt an, welcher Anteil der Tätigkeiten in einem Beruf mit großen Sprachmodellen oder darauf aufbauender Software deutlich schneller erledigt werden könnte. Besonders hoch ist dieses Potenzial etwa in Unternehmensorganisation, Rechnungswesen und Recht, in Medien und Gestaltung sowie in der Informatik.

Die Kernzahlen

Veränderung der Vollzeitbeschäftigung 2025 gegenüber 2022, laut IAB-Forum:

GruppeVeränderung 2022 bis 2025
20 bis 29 Jahre, insgesamtrund −3 %
30 bis 39 Jahre, insgesamtrund −1,3 %
40 bis 64 Jahre, insgesamtweniger als −1 %
20 bis 29 Jahre, stark KI-exponierte Berufe−3,8 %
20 bis 29 Jahre, wenig KI-exponierte Berufe−2,6 %
20 bis 29 Jahre, Berufe in konjunkturschwachen Sektoren−4,2 %

Bei den Jüngeren lag die Entwicklung in stark KI-exponierten Berufen also 1,2 Prozentpunkte unter der in wenig exponierten Berufen. Bei den Älteren war es umgekehrt: Bei den 30- bis 39-Jährigen entwickelte sich die Beschäftigung in KI-exponierten Berufen um fast 6 Prozentpunkte günstiger, bei den 40- bis 64-Jährigen um rund 5 Prozentpunkte. Über alle Altersgruppen lag die Beschäftigung in den am stärksten exponierten Berufen 2025 sogar rund 1 % über dem Niveau von 2022.

Konjunktur wiegt schwerer als KI

Ein einfacher Vergleich reicht nicht, denn KI-exponierte Berufe unterscheiden sich auch auf andere Weise: Sie eignen sich oft fürs Homeoffice, was die Einarbeitung von Neulingen erschweren kann, und sie liegen unterschiedlich stark in Branchen, die unter der Wirtschaftsflaute gelitten haben. Das IAB hat deshalb alle drei Faktoren gleichzeitig in einem Modell betrachtet.

Das Ergebnis für die 20- bis 29-Jährigen:

  • Der Zusammenhang zwischen KI-Exposition und Beschäftigung ist leicht negativ, statistisch aber nicht signifikant. Er wird allerdings von Jahr zu Jahr etwas stärker. 2025 ging eine um eine Standardabweichung höhere KI-Exposition mit einer um geschätzt 1,8 % ungünstigeren Beschäftigungsentwicklung einher.
  • Der Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Schwächephase ist mehr als doppelt so stark und ebenfalls wachsend.
  • Homeoffice-Eignung zeigt keinen signifikanten Zusammenhang.

IAB-Forscher Oliver Schlenker fasst es so zusammen: Vor allem die Wirtschaftsschwäche habe zur sinkenden Beschäftigung junger Menschen beigetragen, der Einfluss von KI habe „unterm Strich eine eher untergeordnete Rolle gespielt“.

Das Warnsignal: Industrie und nicht-akademische Berufe

Eine Ausnahme fand das IAB doch. Im verarbeitenden Gewerbe und in nicht akademisch geprägten Berufen geht eine höhere KI-Exposition bei den 20- bis 29-Jährigen mit einer statistisch signifikant schlechteren Beschäftigungsentwicklung einher. Im Dienstleistungssektor und in akademischen Berufen zeigt sich dagegen kein Zusammenhang.

Das widerspricht der verbreiteten Erzählung, vor allem junge Akademikerinnen und Akademiker seien betroffen. Bemerkenswert ist das auch, weil nicht-akademische Berufe im Schnitt weniger KI-exponiert sind als akademische.

Was die Studie nicht zeigt

Die Autorinnen und Autoren weisen selbst auf wichtige Grenzen hin:

  • Zusammenhang, keine Ursache: Die Befunde sind rein beschreibend. Sie zeigen, was gleichzeitig auftritt, nicht, dass KI den Rückgang verursacht hat.
  • Potenzial, nicht Nutzung: Die KI-Exposition misst, wo KI eingesetzt werden könnte, nicht, ob Betriebe sie wirklich nutzen.
  • Nur sozialversicherungspflichtige Vollzeit: Teilzeit, Minijobs, Selbstständige und Ausbildung fehlen.
  • Stand Ende 2025: Die Technik entwickelt sich schnell. Das IAB empfiehlt ausdrücklich, KI als möglichen Einflussfaktor weiter zu beobachten.

Was heißt das für dich und dein Geld?

Der Beitrag ist keine Karriereberatung. Aus den Zahlen lassen sich aber ein paar Überlegungen für die eigenen Finanzen ableiten, gerade wenn du am Anfang deines Berufslebens stehst:

  1. Konjunktur trifft Einsteiger zuerst. Die Daten zeigen, dass junge Beschäftigte besonders empfindlich auf Wirtschaftsflauten reagieren. Ein Puffer für ein paar Monate ohne oder mit geringerem Einkommen gibt dir Spielraum, etwa bei Befristungen oder einer längeren Jobsuche. Wie viel sinnvoll ist, erklärt der Ratgeber zum Notgroschen.
  2. Fixkosten am Anfang klein halten. Beim ersten Gehalt wachsen Miete, Abos und Verträge schnell mit. Je niedriger deine Fixkosten, desto leichter überstehst du eine Phase mit weniger Einkommen.
  3. Mit einem realistischen Budget starten. Wer das erste Nettogehalt gleich verplant, hat keinen Spielraum. Eine einfache Aufteilung beschreibt der Ratgeber zur Budgetplanung.
  4. Nicht jede Schlagzeile ist ein Trend. Weder „KI vernichtet alle Einstiegsjobs“ noch „alles harmlos“ geben die Daten her. Sie zeigen bisher einen kleinen, wachsenden Zusammenhang, der weiter beobachtet werden muss.

Häufige Fragen

Ist KI ein Jobkiller für Berufseinsteiger?

Laut IAB bisher nicht nachweisbar. Die Beschäftigung junger Vollzeitkräfte in stark KI-exponierten Berufen ging zwar etwas stärker zurück, der Zusammenhang ist aber statistisch nicht signifikant. Die schwache Konjunktur hängt deutlich stärker mit dem Rückgang zusammen.

Welche Berufe sind laut IAB besonders betroffen?

Ein statistisch signifikanter negativer Zusammenhang zeigt sich bei 20- bis 29-Jährigen im verarbeitenden Gewerbe und in nicht akademisch geprägten Berufen. In Dienstleistungs- und akademischen Berufen fand das IAB keinen Zusammenhang.

Was bedeutet „KI-exponiert“?

Ein Beruf gilt als stark KI-exponiert, wenn ein großer Anteil seiner Tätigkeiten mit großen Sprachmodellen deutlich schneller erledigt werden könnte. Das misst ein Potenzial, nicht die tatsächliche Nutzung im Betrieb.

Wie viele Menschen hat das IAB untersucht?

Die Auswertung umfasst im Schnitt rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte zwischen 20 und 64 Jahren, auf Basis monatlicher Daten der Bundesagentur für Arbeit von Januar 2021 bis Dezember 2025.

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Quellen

  1. KI als Jobkiller für Berufseinsteiger? Entwarnung mit Vorbehalt (IAB-Forum, 13. Oktober 2026, Arntz/Dinelli/Schlenker) — Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  2. KI bisher kein Jobkiller, aber Berufseinsteiger zunehmend betroffen (Presseinformation) — Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  3. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen, Deutschland, Stichtag 31. Dezember 2025 (Tabelle II) — Statistik der Bundesagentur für Arbeit · abgerufen am 28. Oktober 2026