
Industrie-Jobabbau: Wo seit 2019 Stellen weggefallen und entstanden sind
Der Industrie-Jobabbau in Deutschland summiert sich seit Ende 2018 auf rund 496.000 sozialversicherungspflichtige Stellen, ein Minus von 7,1 Prozent bis Ende 2025. Das zeigen Daten der Bundesagentur für Arbeit, die auch das ifo Institut ausgewertet hat. Am stärksten schrumpften Autoindustrie, Metallverarbeitung und Maschinenbau. Gesundheitswesen, Sozialwesen und Verwaltung wuchsen deutlich.

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Die deutsche Industrie beschäftigt deutlich weniger Menschen als vor der Pandemie. Die ifo Niederlassung Dresden hat am 19. Oktober 2026 eine Auswertung dazu veröffentlicht: Ende 2025 gab es in der Industrie rund 496.000 sozialversicherungspflichtige Jobs weniger als Ende 2018. Gleichzeitig sind in anderen Bereichen viele neue Stellen entstanden, vor allem in Gesundheit, Pflege und öffentlicher Verwaltung.
Grundlage ist die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Die Copreo-Redaktion hat die Kernzahlen direkt in diesen Daten nachgerechnet. Hier liest du, wo Stellen weggefallen und wo sie entstanden sind, was die Zahlen nicht zeigen und was der Wandel für deine Finanzplanung bedeutet.
Woher die Zahlen kommen
Verglichen werden zwei Stichtage: der 31. Dezember 2018 und der 31. Dezember 2025. Gezählt werden nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach dem Wirtschaftszweig ihres Betriebs. Beamtinnen und Beamte, Selbstständige und Minijobber sind nicht enthalten. „Industrie“ meint hier das verarbeitende Gewerbe, also die Wirtschaftsabteilungen 10 bis 33 der amtlichen Klassifikation (WZ 2008), von Lebensmitteln bis Autobau.
Ein Hinweis zur Vergleichbarkeit: Die Bundesagentur hat ihre Statistik 2023 teilweise überarbeitet. Die Gesamtzahl der Beschäftigten blieb dabei unverändert, bei der Zuordnung zu Wirtschaftszweigen gab es kleinere Anpassungen.
Wo Stellen weggefallen sind
Im verarbeitenden Gewerbe arbeiteten Ende 2018 rund 7,03 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Ende 2025 noch rund 6,54 Millionen. Das ist ein Minus von 495.713 Stellen oder 7,1 %. Der Anteil der Industrie an allen Beschäftigten sank damit von gut 21 % auf knapp 19 %.
Am stärksten betroffen sind drei Kernbranchen:
| Branche (WZ 2008) | 31.12.2018 | 31.12.2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (29) | 952.391 | 828.914 | −123.477 (−13,0 %) |
| Herstellung von Metallerzeugnissen (25) | 846.800 | 731.171 | −115.629 (−13,7 %) |
| Maschinenbau (28) | 1.086.334 | 1.021.840 | −64.494 (−5,9 %) |
| Verarbeitendes Gewerbe insgesamt (10–33) | 7.031.103 | 6.535.390 | −495.713 (−7,1 %) |
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnung. Die drei Branchen zusammen stehen für gut 60 % des Stellenabbaus in der Industrie. Regional traf es laut ifo den Osten stärker (−8,4 %) als den Westen (−6,8 %); Industriejobs gingen in allen Ländern außer Hamburg verloren.
Ein Sonderfall ist die Leiharbeit. Leiharbeitskräfte zählen in der Statistik nicht zur Industrie, sondern zur Branche „Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften“, auch wenn sie in einer Fabrik arbeiten. Dort sank die Beschäftigung von 797.974 auf 554.844, also um rund 243.000. Ein Teil davon dürfte auf die Industrie entfallen. Das ifo rechnet einen Teil der Zeitarbeit der Industrie zu und kommt so auf einen Stellenverlust von rund 628.000.
Wo Stellen entstanden sind
Insgesamt gab es Ende 2025 rund 1,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr als Ende 2018. Die Dienstleistungsbereiche (Wirtschaftsabschnitte G bis U) legten um rund 2,0 Millionen zu. Rechnet man die schrumpfende Leiharbeit heraus, sind es rund 2,24 Millionen. Das ifo nennt mehr als 2,2 Millionen neue Stellen im Dienstleistungssektor.
Die größten Zuwächse:
| Bereich (WZ 2008) | 31.12.2018 | 31.12.2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Gesundheitswesen (86) | 2.503.624 | 2.895.084 | +391.460 (+15,6 %) |
| Heime und Sozialwesen (87, 88) | 2.408.681 | 2.765.219 | +356.538 (+14,8 %) |
| Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung (84) | 1.828.345 | 2.157.089 | +328.744 (+18,0 %) |
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Berechnung.
Laut ifo hängt das Wachstum in Gesundheit und Pflege vor allem mit der alternden Bevölkerung zusammen. In der Verwaltung wurden laut ifo teils Stellen ausscheidender Beamter mit Angestellten neu besetzt, die dann in der Statistik neu auftauchen.
Mehr Akademiker, weniger Fachkräfte mit Ausbildung
Auch die Qualifikation der Beschäftigten hat sich verschoben. Über alle Branchen hinweg zeigt die Statistik der Bundesagentur:
- Beschäftigte mit anerkanntem Berufsabschluss: −252.000 (von 20,37 auf 20,11 Millionen)
- Beschäftigte mit akademischem Abschluss: +1,78 Millionen (von 5,48 auf 7,26 Millionen)
- Beschäftigte ohne beruflichen Abschluss: +487.000
Diese Zahlen gelten für alle Wirtschaftszweige zusammen, nicht nur für die Industrie; dieselben Werte nennt auch das ifo. Außerdem ist die Zahl der Fälle ohne Angabe zur Ausbildung im selben Zeitraum um rund 317.000 gesunken, was die Verschiebungen etwas beeinflussen kann.
Wie das ifo den Wandel einordnet
Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der ifo Niederlassung Dresden, spricht laut ifo von einem „verschärften Strukturwandel“. Den Stellenabbau in fast allen Industriebranchen hält er für eine „Folge abnehmender Wettbewerbsfähigkeit insbesondere gegenüber China“. Das ist seine Einschätzung, die Beschäftigungsstatistik selbst sagt nichts über Ursachen. Ragnitz gibt außerdem zu bedenken, dass die neuen Jobs meist nicht dort entstehen, wo Deutschland besonders produktiv und innovativ ist. Das könne das Wachstumspotenzial bremsen.
Was die Zahlen nicht zeigen
- Keine Köpfe außerhalb der Sozialversicherung: Beamte, Selbstständige und Minijobs fehlen. In der Verwaltung kann ein Teil des Zuwachses deshalb auf den Wechsel vom Beamten- zum Angestelltenstatus zurückgehen.
- Keine Arbeitszeit: Die Statistik zählt Beschäftigte, nicht Stunden. Ein Vollzeitjob in der Industrie und eine Teilzeitstelle in der Pflege zählen gleich.
- Keine Ursachen: Die Zahlen zeigen, wo sich Beschäftigung verändert hat, nicht warum.
- Zwei Stichtage: Was dazwischen passierte, etwa Corona-Einbrüche und Erholung, ist im Vergleich nicht sichtbar.
Was heißt das für dich?
Der Beitrag ist keine Karriereberatung. Für die eigenen Finanzen lassen sich trotzdem ein paar Punkte ableiten:
- Branchenrisiko mitdenken. Wer in einer schrumpfenden Branche arbeitet, sollte bei langfristigen finanziellen Verpflichtungen wie einem Kredit oder einer großen Anschaffung auch eine Phase mit weniger Einkommen einplanen.
- Einen Puffer aufbauen. Ein Notgroschen von mehreren Monatsausgaben verschafft Zeit, falls der Arbeitsplatz wegfällt oder Kurzarbeit kommt. Wie viel sinnvoll ist, erklärt der Ratgeber zum Notgroschen.
- Fixkosten prüfen. Je kleiner der Anteil fester Ausgaben, desto leichter lässt sich ein Einkommensrückgang abfedern. Ansatzpunkte zeigt der Ratgeber zu Fixkosten.
- Einordnen statt erschrecken. Unterm Strich ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit 2018 gestiegen. Der Arbeitsmarkt schrumpft nicht, er verschiebt sich.
Häufige Fragen
Wie viele Industriejobs sind seit 2019 weggefallen?
Laut Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit arbeiteten Ende 2025 im verarbeitenden Gewerbe 495.713 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weniger als Ende 2018, ein Minus von 7,1 Prozent.
Welche Branchen sind am stärksten betroffen?
Die Autoindustrie mit ihren Zulieferern (−123.477), die Herstellung von Metallerzeugnissen (−115.629) und der Maschinenbau (−64.494). Zusammen machen sie gut 60 Prozent des Abbaus aus.
Wo entstehen neue Jobs?
Vor allem im Gesundheitswesen (+391.460), in Heimen und im Sozialwesen (+356.538) und in der öffentlichen Verwaltung (+328.744), jeweils Ende 2025 gegenüber Ende 2018.
Gibt es insgesamt weniger Jobs in Deutschland?
Nein. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von Ende 2018 bis Ende 2025 um rund 1,7 Millionen auf knapp 35 Millionen. Die Beschäftigung verlagert sich von der Industrie zu Dienstleistungen.
Quellen
- Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen, Deutschland, Stichtag 31. Dezember 2025 (Tabellen I und II) — Statistik der Bundesagentur für Arbeit · abgerufen am 28. Oktober 2026
- Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen, Deutschland, Stichtag 31. Dezember 2018 (Tabellen I und II) — Statistik der Bundesagentur für Arbeit · abgerufen am 28. Oktober 2026
- Deutsche Industrie verlor seit 2019 fast eine halbe Million Arbeitsplätze (Pressemitteilung vom 19.10.2026) — ifo Institut, Niederlassung Dresden · abgerufen am 28. Oktober 2026


