Wie teuer ist ein Dispokredit und wann lohnt sich eine Alternative?

Kurz gesagt

Ein Dispokredit ist ein mit der Bank vereinbarter Überziehungsrahmen auf dem Girokonto. Er ist flexibel, aber teuer: Im August 2026 lag der durchschnittliche Zins für Überziehungskredite an private Haushalte laut Bundesbank-Statistik bei 9,46 % (vorläufig). Wer den Rahmen über Monate stark nutzt, bekommt ein Beratungsangebot und sollte günstigere Alternativen wie einen Ratenkredit prüfen.

Ein Dispokredit – eigentlich Dispositionskredit – ist ein Überziehungsrahmen, den du mit deiner Bank für dein Girokonto vereinbarst. Bis zu dieser Grenze darfst du ins Minus gehen, ohne vorher einen Kredit zu beantragen. Das ist bequem, kostet aber Dispozinsen, die laut BaFin variabel sind und von der Bank angepasst werden können. Die BaFin bezeichnet den Dispo als die teuerste Möglichkeit, kurzfristig Geld zu leihen.

Hier liest du, wie sich Dispo und geduldete Überziehung unterscheiden, wo die Zinsen im Schnitt liegen, wie du die Kosten selbst ausrechnest und welche Pflichten deine Bank hat.

Eingeräumte und geduldete Überziehung

Das BGB unterscheidet zwei Formen, ins Minus zu gehen:

Eingeräumte Überziehung (Dispo)Geduldete Überziehung
Rechtsgrundlage§ 504 BGB§ 505 BGB
VereinbarungRahmen vorab mit der Bank vereinbartKein vereinbarter Rahmen bzw. Überziehung über den Rahmen hinaus
AnspruchKein Anspruch auf Einräumung; die Bank darf den Dispo kürzen oder streichen (BaFin)Kein Anspruch; die Bank duldet meist nur bis zu einer internen Grenze (BaFin)
ZinsenVariabel, Änderungen stehen auf dem Kontoauszug (BaFin)In der Regel noch höher als beim Dispo (BaFin)
InformationspflichtRegelmäßige Unterrichtung über die Konditionen (§ 504 Abs. 1 BGB)Bei Überziehung länger als einen Monat unverzügliche Information auf einem dauerhaften Datenträger (§ 505 Abs. 2 BGB)

Wichtig: Streicht die Bank eine bisher geduldete Überziehung, musst du den negativen Saldo laut BaFin umgehend ausgleichen, sonst droht die Kündigung des Kontos. Auch den Dispo darf die Bank kürzen oder streichen, in der Regel dann, wenn sich deine finanzielle Lage verschlechtert.

Wie hoch sind die Dispozinsen aktuell?

Die Deutsche Bundesbank erhebt im Rahmen der MFI-Zinsstatistik monatlich, zu welchem Zins Banken in Deutschland revolvierende Kredite und Überziehungskredite an private Haushalte vergeben. Für August 2026 weist die Reihe einen durchschnittlichen Effektivzinssatz von 9,46 % aus (vorläufiger Wert, Stand der Daten: Oktober 2026). Im Juli 2026 waren es 9,40 %, im Juni 9,39 %.

Zum Vergleich: Für Konsumentenkredite an private Haushalte ohne Überziehungs- und Kreditkartenkredite lag der Zinssatz im Neugeschäft im August 2026 bei 8,70 %.

Das sind Durchschnittswerte über alle Banken. Dein persönlicher Dispozins kann deutlich darüber oder darunter liegen. Er steht in deinem Kontovertrag, im Preis- und Leistungsverzeichnis und auf dem Kontoauszug. Den Dispozins vieler Banken kannst du außerdem im kostenlosen BaFin-Kontenvergleich nachsehen.

Beispielrechnung: Was kostet der Dispo?

Dispozinsen werden auf den tatsächlich genutzten Betrag und die Dauer der Nutzung berechnet. Ein vereinfachtes Beispiel mit runden Zahlen:

  • Zinssatz (Beispiel): 10 % pro Jahr
  • Du bist 30 Tage lang mit 1.000 € im Minus.
  • Rechnung: 1.000 € × 10 % × 30 / 365 ≈ 8,22 €

Das klingt überschaubar. Bleibst du aber das ganze Jahr mit durchschnittlich 1.000 € im Minus, kommen im Beispiel rund 100 € Zinsen zusammen – Geld, das du für nichts anderes ausgeben kannst. Wie genau deine Bank Zinstage zählt und wann sie die Zinsen belastet, steht in deinem Vertrag.

Beratungsangebot bei dauerhafter Nutzung

Wenn der Dispo vom kurzfristigen Puffer zum Dauerzustand wird, muss die Bank aktiv werden. Nach § 504a BGB gilt:

  • Nutzt du den Dispo ununterbrochen sechs Monate lang und durchschnittlich zu mehr als 75 % des vereinbarten Rahmens, muss dir die Bank eine Beratung anbieten – in Textform über den Weg, über den ihr üblicherweise kommuniziert.
  • Nimmst du an, geht es in einem persönlichen Gespräch (auch per Telefon oder Video möglich) um kostengünstigere Alternativen, die möglichen Folgen weiterer Überziehung und gegebenenfalls um geeignete Beratungsstellen.
  • Lehnst du ab, wiederholt die Bank das Angebot, sobald die Voraussetzungen erneut vorliegen – es sei denn, du erklärst ausdrücklich, keine weiteren Angebote zu wollen.

Für die geduldete Überziehung gilt nach § 505 Abs. 2 BGB Ähnliches: Bist du mehr als drei Monate ununterbrochen im Minus und übersteigt die durchschnittliche Überziehung die Hälfte deiner durchschnittlichen monatlichen Geldeingänge der letzten drei Monate, muss die Bank ebenfalls eine Beratung anbieten.

Das Beratungsangebot ist kein Vorwurf. Es ist ein guter Anlass, die eigene Situation nüchtern anzuschauen.

Alternativen zum Dispo

Der Dispo ist für kurze Engpässe gedacht – etwa wenn eine Rechnung ein paar Tage vor dem Gehalt fällig wird. Für längere Zeiträume gibt es Alternativen:

  • Ratenkredit: Ein fester Betrag mit festen Raten und klarem Ende. Ob er günstiger ist, hängt vom konkreten Angebot ab; die Durchschnittswerte oben liegen näher beieinander, als viele denken. Vergleiche immer den effektiven Jahreszins und die Gesamtkosten.
  • Rücklage aufbauen: Ein Notgroschen fängt unerwartete Ausgaben ab, bevor du ins Minus rutschst.
  • Fixkosten prüfen: Wer regelmäßig zum Monatsende im Minus ist, hat oft ein strukturelles Problem bei den laufenden Ausgaben.
  • Beratung nutzen: Schuldner- und Verbraucherberatungsstellen helfen, wenn du den Überblick verlierst.

Es geht nicht darum, den Dispo um jeden Preis zu meiden, sondern ihn bewusst und kurz zu nutzen.

Den Kontostand im Blick behalten

Wer mehrere Konten hat, sieht schnell nicht mehr, wo gerade das Minus entsteht. Copreo, eine Finanz-App für iOS und Android, zeigt Konten von über 3.000 Banken in einer App, kategorisiert Umsätze automatisch und erlaubt Budgets pro Kategorie. So erkennst du früh, wenn ein Monat knapp wird.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Dispo und geduldeter Überziehung?

Der Dispo ist ein vorab vereinbarter Rahmen (§ 504 BGB). Bei der geduldeten Überziehung gehst du ohne oder über den vereinbarten Rahmen hinaus ins Minus (§ 505 BGB). Sie ist laut BaFin in der Regel noch teurer.

Wie hoch sind die Dispozinsen im Durchschnitt?

Laut MFI-Zinsstatistik der Bundesbank lag der Zins für Überziehungskredite an private Haushalte im August 2026 bei 9,46 % (vorläufig). Dein eigener Zins kann abweichen.

Ab wann muss mir die Bank eine Beratung anbieten?

Wenn du den Dispo sechs Monate ununterbrochen und durchschnittlich zu mehr als 75 % des Rahmens nutzt (§ 504a BGB).

Darf die Bank meinen Dispo streichen?

Ja. Du hast laut BaFin keinen Anspruch auf einen Dispositionskredit. In der Regel kürzt oder streicht die Bank ihn, wenn sich deine finanzielle Lage verschlechtert.

Ist ein Ratenkredit immer günstiger als der Dispo?

Nicht automatisch. Im Durchschnitt lagen die Zinsen im August 2026 für Konsumentenkredite bei 8,70 % und für Überziehungskredite bei 9,46 %. Entscheidend sind dein konkretes Angebot und die Laufzeit.

Quellen

  1. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 504 Eingeräumte Überziehungsmöglichkeit — Bundesministerium der Justiz / Gesetze im Internet · abgerufen am 14. Oktober 2026
  2. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 504a Beratungspflicht bei Inanspruchnahme der Überziehungsmöglichkeit — Bundesministerium der Justiz / Gesetze im Internet · abgerufen am 14. Oktober 2026
  3. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 505 Geduldete Überziehung — Bundesministerium der Justiz / Gesetze im Internet · abgerufen am 14. Oktober 2026
  4. MFI-Zinsstatistik, Zeitreihe BBIM1.M.DE.B.A2Z1.A.R.A.2250.EUR.N (SUD112): Effektivzinssätze, Neugeschäft, revolvierende Kredite und Überziehungskredite an private Haushalte — Deutsche Bundesbank · abgerufen am 14. Oktober 2026
  5. Bank interest rates – revolving loans & overdrafts to households, Germany (MIR.M.DE.B.A2Z1.A.R.A.2250.EUR.N, Quelle: Deutsche Bundesbank) — Europäische Zentralbank, ECB Data Portal · abgerufen am 14. Oktober 2026
  6. Bank interest rates – loans for consumption excluding revolving loans and overdrafts, Germany (MIR.M.DE.B.A2B.A.R.A.2250.EUR.N, Quelle: Deutsche Bundesbank) — Europäische Zentralbank, ECB Data Portal · abgerufen am 14. Oktober 2026
  7. BaFin-Kontenvergleich — Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) · abgerufen am 14. Oktober 2026
  8. Girokonto: Alles, was Sie wissen müssen — Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) · abgerufen am 14. Oktober 2026